#057 Eike Becker Architekten

Tatuu

Statement:
Der erste Blick auf den Stuhl, als er so weiß und rein vor mir stand, ließ mich an die Stühle meiner eigenen Schulzeit denken.

Bei dem darauf folgenden Besuch einer möglichen Schule für meinen Sohn, nahmen wir an einer Demonstrationsstunde im Chemie-Unterricht teil. Dort sah ich auf einem der Stühle geschrieben "I love Sex". Diese vermutlich unerlaubte Hinterlassenschaft eines jugendlichen Lebensgefühls ist der Ausgangspunkt für meine Gestaltung des Stuhles gewesen.

Diese Art von Graffiti hinterlässt bewusst Spuren an einer dafür nicht vorgesehenen Stelle und eignet sich dadurch etwas Fremdes, in der Regel Neutrales, an.

In diesem Fall mischen sich meine Skizzen mit Schriften, Daten, Symbolen und Zeichen.
In der Überlagerung unterschiedlicher Schichten wird Geschichte simuliert. Die unterschiedlichen Inhalte scheinen teilweise auf, mal mehr, mal weniger deutlich, so dass durch die Vielzahl der Informationen eine Relativierung der unterschiedlichen Aussagen entsteht.

Der Stuhl wird über und über mit "Tattoos" bedeckt und erhält so seine Individualität und Einzigartigkeit. Die Beschränkung auf schwarz und weiß, hell und dunkel, führt zu einer entschiedenen Kontrastierung und macht deutlich, dass ohne Licht kein Schatten existiert.

Begriffspaare wie "St. Denis" und "Beauvais" oder "Sehnsucht Schlüterhof" und "Hyperraum" definieren das inhaltliche Feld zwischen Architekturgeschichte und Fiktion, zwischen Restauration und Innovation, Aufbruch und Hybris, Held und Tölpel.
Der Betrachter wird zum Archäologen, der die Spuren entschlüsseln kann – aber nicht muss.

Skizzen von aktuellen Entwürfen, Mitschriften von einem Vortrag über muslimische Architektur, Notizen aus den vergangenen Tagen, Ausschnitte von einem "Wir werden heiraten!"-Gespräch finden sich über-, unter- und nebeneinander auf dem Stuhl wieder.

www.eikebeckerarchitekten.com

Dieser Stuhl wurde für 450,00 Euro verkauft!